In diesem Beitrag möchte ich anhand eines Beispiels die digitale Aufbe­reitung einer Bleistift­skizze erläutern. Wie immer gilt:

Mehrere Wege führen nach Rom

Perspek­tiv­skizze

Zunächst denke ich mir eine Perspektive aus. In diesem Fall soll das Motiv eine drama­tische Pose bekommen. Eine starke perspek­ti­vische Vergrö­ßerung wird durch einen nahe liegenden Flucht­punkt erreicht. Ein gutes Beispiel ist dabei die Hand. Die linke Hand der Kreatur (Unten Rechts im Bild) wirkt größer als die rechte Hand des Monsters (weiter oben Links). Das kommt daher, dass die Kreatur ihren rechten Arm nach hinten schwingt und die Hand außerdem weiter unten liegt als die des linken Armes, der nach oben schwingt. Die Striche im Gesicht werden als Medialinie oder Mittel­linie bezeichnet. Die waage­rechte Linie dient als Hilfs­linie für die Position der Augen.

Ausar­beiten der Skizze

Da diese Skizze zum "Inken" noch zu grob ist, müssen wir diese natürlich vorher noch etwas ausar­beiten. Bei diesem Schritt füge ich detail­lierte Konturen ein, lege die endgül­tigen Formen fest und arbeite die Details aus. Diese Skizze scanne ich anschließend ein um das Bild digital weiter verar­beiten zu können. Hier empfiehlt es sich die alten Hilfs­linien entweder weg zu radieren oder die neuen Konturen deutlich stärker auszu­zeichnen.

Inken

Als Inken wird der Vorgang bezeichnet eine Bleistift­skizze mit schwarzer Tinte/Tusche nachzu­ziehen und so die Endgültige Zeichnung zum colorieren zu erhalten. Dafür werden entweder eine Tuschefeder oder spezielle Fineliner verwendet. Heutzutage wird dieser Vorgang oft digital erledigt. Was ich in diesem Artikel auch tun werde.

Pinsel zum Inken

Eigentlich spricht nichts dagegen zum Inken einen "normalen" Rundpinsel zu benutzen. Dann sollte aber zumindest die Druck­er­kennung aktiviert sein. Einige digitale Inker schwören auf Bitmap Pinsel, die eine gewisse Struktur haben um den Inks ein natür­liches Aussehen von leicht verlau­fener Tusche zu verleihen. In diesem Beispiel werde ich das etwas anders machen.

Die meisten Einstel­lungen, die ich hier treffe werden sich problemlos auf alle gängigen Bildbe­ar­bei­tungs­pro­gramme abbilden lassen. Ich zeige das ganze hier an dem Programm Affinity Photo für IPad. Ich verwende für das IPad Pro den Apple Pencil. Andere Programme mit anderen Stiften können ggf. andere Resultate erzielen. Da müsst ihr dann ggf. etwas mit den Einstel­lungen experi­men­tieren.

Die wesent­lichen Punkte sind eigentlich:

Allgemein

  • Größe - Der Wert richtet sich in erster Linie danach wie dick die Konturen sein sollen. Welche Bildgröße bearbeitet wird und wie stark die Druck-Dynamik ist. Für ein einge­scanntes DIN A4 Blatt mit 600 DPI habe ich eine Größe von 15 px benutzt.
  • Härte - Für Inks sollte der Wert 100% betragen, da die Konturen sonst zu weich wirken.
  • Fluss - Auch dieser Wert sollte auf 100% einge­stellt sein, da wir direkt beim ersten Farbauftrag 100% Deckkraft wollen.
  • Abstände - Dieser Wert sollte ebenfalls auf 100% stehen, weil wir sonst Lücken zwischen unseren Konturen hätten, die wir definitiv nicht wollen.
  • Rotation - Dieser Wert hängt in Kombi­nation mit dem Wert "Form" davon ab, ob wir Links- oder Rechts­händer sind. Rechts­händer sollten den Wert auf ca. 40% stellen. Links­händer auf ca. 10%. Mehr dazu wird bei "Form" erklärt.
  • Form - Dieser Wert legt die Rundheit des Pinsels fest. Diesen Wert stelle ich auf ca. 85% ein wodurch eine Ellipse entsteht. Nun wird auch der Wert "Rotation" klar. Denn je nachdem ob man Links- oder Rechts­händer ist, wird der Pinsel anders geschwungen. Dieser Wert ist also auf die Form abgestimmt.

Dynamik

  • Größe - Der eigentlich wichtigste Wert von allen. Ohne eine Dynamik durch Druck bei dem Wert "Größe" würde der "Pinsel­strich" immer gleich sein. Dadurch wäre der typische Comic Look nur mit sehr viel Mühe und häufigem Verstellen der Pinsel­größe zu erreichen. Ist diese Funktion aktiviert, wird der Pinsel bei steigendem Druck größer. So kann hervor­ragend der typische Tusche Look von Comics erzeugt werden.

 

Inks setzen

Als erstes erstelle ich eine eigene Ebene für die Inks. Mit dem neuen Pinsel ziehe ich dann die Konturen nach, wobei ich die Pinsel­striche an innen liegenden Punkten mit wenig Druck beginne, den Druck stetig steigere und sie dann mit weniger Druck auslaufen lasse. Bei den Schatten schraf­fiere ich die Bereiche teilweise oder male sie Bereichs­weise ganz aus.

Colorieren

Beim Colorieren lege ich zunächst für jede Farbe eine eigene Ebene an und benenne diese entspre­chend. Dann male ich die Flächen mit einem normalen Pinsel aus.

Schatten / Akzente

In diesem Beispiel habe ich die Farbe nochmal angepasst, da ich doch eher etwas dämoni­sches schaffen wollte. In grün sah mir die Figur zu sehr nach Goblin aus. Anschließend lege ich eine neue Ebene an, fülle diese mit einem dunklem Blau mit geringer Sättigung und stelle den Modus aus "Overlay" bzw. "Inein­an­der­ko­pieren". Um Schatten zu setzen male ich nun mit einem weichen Pinsel mit weißer Farbe und weniger Fluss oder Deckkraft an den entspre­chenen Stellen, wo weniger Licht fällt. Durch den Ebenen­modus wird dies nun mitein­ander verrechnet und die Stellen werden dunkler ohne die Farbe zu verfäl­schen. Möchte ich Akzente setzen male ich mit schwarz und die Stellen werden heller. Zum Schluss füge ich noch ein paar Details hinzu.

Dämon